Feb 19, 2016

Mobilität im Alter als Wirtschaftsfaktor

Ein kleines rotes Fahrzeug kommt um die Ecke gedüst. Es hat die Optik eines Chopper Motorrads. Mit einem strahlenden Lachen hält ein älterer Herr vor dem Café und geht hinein. Mit diesem modernen eBike zählt er zu den glücklichen Menschen, für die Mobilität im Alter kein Fremdwort ist. Nach einer kurzen Genuss-Pause geht es weiter in die Natur. Schauen Sie selbst (60 s):

Intelligente e-Mobilität für das Alter erweitert den Aktionsradius.

Wir beschreiben hier einen Lebensabschnitt, in dem die geistige Fitness einen Höhepunkt erfährt, die körperliche Fitness jedoch nachlässt. Eine Lebensphase, an die sich die Wirtschaft anpassen kann und muss. Denn durch die längere Lebenserwartung und die steigenden Bedürfnisse von Menschen im hohen Alter entwickelt sich ein wichtiger Markt für Industrie und Handel.

Mobilität im Alter – ein Markt mit riesigen Chancen

Viele Produkte und Dienstleistungen – vor allem im Bereich Mobilität – sind noch nicht an Menschen mit physischen Einschränkungen angepasst. Damit nutzen unsere Volkswirtschaften dieses wachsende Marktpotential erst zaghaft. Schwer lesbare Wegweiser, steile Treppen oder komplizierte Wegführungen können zur Folge haben, dass die Kundengruppe der Babyboomer ihre Mobilität stärker einschränkt als ihnen selbst lieb ist.  Kurze Strecken werden für ältere Menschen irgendwann zu grossen, unschaffbaren Herausforderungen und das Autofahren zu gefährlich. Diese Einschränkungen in der Mobilität haben weitaus mehr Folgen, als vielen bewusst ist:

Bewegungsmangel führt zu einem circulus vitiosus: Die Außenkontakte werden eingeschränkt, dadurch werden Fähigkeiten der Orientierung in der außerhäuslichen Umwelt vernachlässigt. Die Mobilität wird herabgesetzt, damit gehen die soziale Kompetenz und die Bereitschaft verloren, Außenkontakte zu pflegen.1

Die Innovatoren sind schon aktiv im Wachstumsmarkt Mobilität im Alter

Zu den Innovatoren  zählt die Kyburz Switzerland AG. Mit ihren eBikes und weiteren Fahrzeugen für ältere Menschen haben sie das Marktpotenzial der Babyboomer entdeckt und nutzen es mit grossem Erfolg. Leichtes Ein- und Aussteigen und eine unkomplizierte Bedienung zeichnen die kleinen Fahrzeuge aus, die trotzdem bis zu 40 km/h fahren können.

Als weitere Beispiele lassen sich die Flughäfen Frankfurt und Hannover nennen. In Frankfurt hat man im Rahmen eines spannenden Projekts analysiert, welche Optimierungen in der Infrastruktur des Flughafen notwendig wären, damit Menschen im Alter möglichst lange Freude am Reisen haben. Fraport-Mitarbeiter haben sich mit unserem AgeExplorer in die Situation älterer Reisender versetzt. Auf diese Weise konnten sie selbst erleben, wie weit und beschwerlich viele Wege tatsächlich sind und wie schwer es fällt, sich zu orientieren.

Alterssimulationsanzug Flughafen

Koffer können im Alter sehr schwer werden. Die Gepäckbänder werden darauf in Zukunft Rücksicht nehmen müssen. Foto: Fraport

 

Alterssimulationsanzug AgeExplorer Flughafen

Der lange Weg nach Mallorca … Foto: Fraport

Der Flughafen Hannover wählte einen anderen Ansatz. Er hat sich zum Ziel gesetzt, Deutschlands kundenfreudlichster Flughafen zu werden. Ein Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel waren umfangreiche Empathie-Schulungen für das Service-Personal. Mehr Verständnis für die Wünsche älterer Fluggäste und noch mehr Geduld wurden trainiert.

Der Mehrwert kommt direkt bei einer Kundengruppe an, die nicht mehr billig, sondern vor allem komfortabel fliegen will.

Alterssimulationsanzug AgeExplorer / Mobilität im Alter

Einfühlungsvermögen und Geduld sind gefragt. Hannover Airport hat seine Servicemitarbeiter entsprechend geschult.

 

Alterssimulationsanzug AgeExplorer / Mobilität im Alter

Wer selbst einmal mit einigen Handicaps im Rollstuhl gefahren wurde, weiss jetzt besser, worauf es ankommt.

Auch die Deutsche Bahn hat die wachsende Kundengruppe Babyboomer im Visier. Sie testete mit dem roten Anzug Umsteigezeiten und Wegstrecken. Durch diese Erfahrung fällt es leichter, sich in spezielle Bedürfnisse Älterer hinein zu versetzen und die Bahnhöfe und Fahrpläne darauf abzustimmen. Denn die Bahn ist ein Verkehrsmittel, das gerne von älteren Menschen genutzt wird – selbstverständlich also, dass man den höchsten Komfort bieten möchte.

Video (15 s) Mitarbeiter der Bahn plötzlich alt

 

1 Herbert Hartmann: Bewegung, Spiel und Sport – mehr Lebensqualität im Alter, in: BAGSO-Nachrichten 2/2008)




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